Joseph Beuys zeigte 1965, am Höhepunkt der unglaublich komplizierten Avantgarde-Diskussion um die Neudefinition des Kunstbegriffs, die Performance "Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt", auf gut estnisch "Kuidas seletada pilte surnud jänesele". Nichts weniger wird heute von den estnischen Künstlern erwartet. Sonst bleibt das kleine baltische Land irgendwann nur für seine Chortradition in Erinnerung.
Ein Theaterstück über Essstörungen, Perfektionswahn, Globalisierung, Medienwelten. Schneewittchenpsychose schafft es dabei weder aufgesetzt, noch dramatisch oder belehrend zu wirken.
"Nach Moskau! Nach Moskau!" geht es in der Halle E im Museumsquartier in einer Tschechow-Collage aus "Drei Schwestern" und "Die Bauern" unter der Regie von Frank Castorf. Die Premiere fand im Rahmen der Wiener Festwochen 2010 statt.
Die lähmende Mittelmäßigkeit der bei den Wiener Festwochen 2010 gezeigten Produktionen stimmt nachdenklich. Höchste Zeit über eine in jeder Hinsicht beglückende Performance zu berichten, die nachhaltig in Erinnerung geblieben ist: "Dudes II - Dudes go camping" von und mit Luke Baio und Dominik Grünbühel, gesehen im WUK.
Was kann eine Waffe in den falschen Händen anrichten? Welche Hände sind die falschen? Vier Frauen nutzen die günstige Gelegenheit, um sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren. Niemand soll dabei zu schaden kommen und doch verfolgt jede rücksichtslos ihre eigenen Interessen. Kommuniziert wird in dem Stück des iranischen Regisseurs Amir Reza Koohestani ausschließlich per Telefon.
Wer unbedingt einmal einen erbärmlichen Theaterabend erleben möchte, sollte sich "Helena" im Burgtheater unter der Regie von Luc Bondy im Rahmen der Wiener Festwochen 2010, immerhin mit Birgit Minichmayr in der Titelrolle, anschauen.
In New York mag in vielen Bereichen die Avantgarde beheimatet sein. In Sachen zeitgenössisches, experimentelles Theater jedenfalls nicht. "Ich würde sagen, die Kunstform Theater ist bei uns am weitesten zurückgeblieben", meint die Autorin Young Jean Lee und bildet dabei selbst keine Ausnahme. In "The Shipment" arbeitet sie sich in drei Einaktern ironiefrei an verschiedenen Rassenstereotypen ab. Dem schauspielerischem Einsatz des afro-amerikanischen Ensembles verzeiht man fast die Schwächen des Texts.
Der Turbo Folk vom kroatischen Nationaltheater raste durch das Schauspielhaus Wien im Rahmen der Festwochen und bot bei der Premiere am 4. Juni 2010 eine reichlich skurrile und in erster Linie plakative und trashige Schauspiel-Revue.
Die Zweifel im Vorfeld waren unberechtigt. Weder war ein halber Tag im Theater zu viel des Guten noch verkam die Halle E im Museumsquartier zum riesigen Schlafplatz. "I Demoni - Die Dämonen" von Dostojewski unter der Bearbeitung und Inszenierung von Peter Stein war kein öder Ruhepolster, sondern spannungsgeladene Kurzweiligkeit.
Die Wiener Festwochen warten mit einer Adaption des französischen Filmklassikers "Hass" von Mathieu Kassovitz auf. Hervorragend umgesetzt, wird das alte Gaswerk Leopoldau in vielen Perspektiven bespielt und zeigt auf, wie es ist, wenn man in einer Umgebung aufwächst, in der Respekt keine Rolle spielt und der Hass regiert.
Achtung: Bereitmachen! 100 Wienerinnen und Wiener, ausgewählt nach einem statistischen Raster, stellen sich - als repräsentativer Querschnitt der Stadt - den Fragen von Rimini Protokoll. Bis ein Mitarbeiter des Statistischen Zentralamts gleich viele Personen befragt hat, muss er deutlich mehr Anrufe tätigen, Überzeugungsarbeit leisten und gelegentlich auch mit einer Verwaltungsstrafe (bis zu 280 €) für eine Auskunftsverweigerung drohen. Schauplatz der großen Frage-Antwort-Inszenierung war die Halle E im Museumsquartier.
Die Anekdotenerzähler erinnern sich zur Dia-Schau von Mārtiņš Grauds an ihre Friedhofsfeste. Eine lettische Tradition bei der Picknick, Tanz und Treffen mit der gesamten Verwandtschaft mindestens so wichtig sind, wie das Gedenken der Toten. Nicht fehlen darf dabei die Blasmusik, weshalb alle Schauspieler für "Kapusvētki" ein Blasinstrument lernen mussten.
Das 3raum-Anatomietheater drohte aus allen Nähten zu platzen. Leider nur drei Abende lang war dort "Party Party!" zu sehen, ein Projekt, das Regisseur, Schauspieler und Musiker Hakon Hirzenberger mit dem zweiten Jahrgang der Schauspielschule Elfriede Ott durch Interviews und Improvisationen erarbeitete und zu einem Theaterstück verarbeitete.
Der Roman "Berlin Alexanderplatz" von Alfred Döblin, erschienen 1929, erzählt die Geschichte vom Franz Biberkopf und gilt als einer der bedeutendsten deutschen Großstadtromane.
25 Minidramen zeitgenössischer Autorinnen Autoren wurden von Lukas Cejpek und Margret Kreidl auf die Theaterbühne gebracht und zu einem lustvollen Ganzen inszeniert. Frisches Blut also im Schauspielhaus Wien als Würdigung zum Jubiläum 25 Jahre Alter Schl8hof Wels.
Die Geschichte von Aschenputtel als Ausgangsbasis präsentiert Regisseurin Claudia Bühlmann in "TouchingCinderElla" als Performance mit Tanz, Stimme und Schauspiel für junge Menschen ab 9 Jahren.
2007 avancierte der Film "Die Herbstzeitlosen" von Sabine Pochhammer und Bettina Oberli zum Publikumshit in der Schweiz. Mit über 800.000 Kinobesuchern war er einer der erfolgreichsten Schweizer Filme aller Zeiten und der eidgenössische Oscar-Beitrag des Jahres 2008. Nach dieser erfolgreichen Vorlage hat der Vorarlberger Autor Stefan Vögel das Theaterstück "Altweiberfrühling" verfasst, das am 8. April 2010 in den Wiener Kammerspielen Premiere feierte.
Berliner Gäste in Wien. Das honorige Maxim Gorki Theater schickt eine Studioproduktion ins pulsierende und unter der erquicklichen Intendanz von Andreas Beck höchst theaterlebendige Wiener Schauspielhaus. Und auch dieser Abend entpuppt sich als Glücksfall, wenngleich angesichts des bearbeiteten Themas einem das Wort "Glück" nur schwer über die Lippen kommt.
Das Stück "Norway.today" von Igor Bauersima wurde schon mehrmals auf die Bühne gebracht, und hat nach dem Theater der Jugend jetzt auch den Weg auf die Bühne des Dschungel Wien geschafft. Es spielen Christian Ruthner (August) und Felicitas Lukas (Julie), Regie von Günther Wiederschwinger.
Mit "Die Gänsemagd" findet die Trilogie der Grimmschen Märchen-Opern (allesamt Auftragskompositionen der Wiener Taschenoper) ihren Abschluss. Drei waren bei allen drei Produktionen dabei: die Dramaturgin Helga Utz für das Libretto, Jewgenij Sitochin als Regisseur und die Sängerin Theresa Dloughy. Nach dem großen Erfolg von "Das Tapfere Schneiderlein" und "Eisenhans!" lagen die Erwartungen entsprechend hoch. Sie wurden nicht enttäuscht.
Mei war des liab! Im Off Theater Wien begeistern vier junge Sänger und zwei Musiker mit der Musical-Produktion "Das Orangenmädchen" nach einer Romanvorlage von Jostein Gaarder. Empfehlenswert auch für Menschen mit Musical-Allergie.
In der Neuübersetzung von Thomas Brasch, adaptiert für das Wiener Burgtheater, findet unter der Regie von Claus Peymann das große Zaudern in Richard II. statt. Nicht Fisch, nicht Fleisch, nicht Sprache.
Das fünfte Gebot ist das Einzige auf das wir uns heute noch einigen können. Du sollst nicht töten. Zumindest 70% der Befragten sind dieser Meinung. Eine noch größere Zahl jedoch - 85 % - hatte schon einmal den Wunsch jemanden umzubringen. Wenn etwas so klar ist, wie kann man darüber diskutieren? Ilija Trojanow hat für das Nachbarhaus vom Schauspielhaus Wien eine Etüde dazu verfasst.
"Überraschung!" - Das wahrscheinlich beste Theaterstück für die Allerkleinsten kommt nach einer Tournee um den halben Erdball - nachdem es eine Asien- sowie Südamerikatournee hinter sich gebracht hat, und sogar im Juni 2009 im Opernhaus von Sydney zu sehen war - wieder in den Dschungel Wien zurück.
Es gibt eine Zeit für die Liebe und es gibt eine Zeit für den Krieg. Die Menschen verstecken sich hinter teuren Sachen aus Angst verletzt zu werden. Vom anderen sieht man dann nur gerade soviel, um ihn verwunden zu können.
Beim Figurentheaterfestival "dreizurdritten" gab es sowohl ein internationales Gastspiel vom Ensemble Materialtheater, als auch die erste abendfüllende Produktion der heimischen Gruppe Krokodil zu bestaunen. Die deutschen Gäste erzählten auf clownesque Art die Geschichte von der Beziehung der Dinge zu den Dingdalern, während das zweite Stück den Beziehungen der Menschen nebeneinander gewidmet war.
In der Volksoper Wien läuft Lehars "Lustige Witwe" nun schon in der 77. Vorstellung, die Inszenierung von Daniel Dollé ist nett, aber unspektakulär.
Im Schauspielhaus Wien hat Daniela Kranz ein Kondensat von Ilija Trojanows Grenzüberspringendem Schelmenroman "Die Welt ist groß und Rettung lauert überall" auf die Bühne gebracht. Nach einem zähen Drittel werden die Charaktere langsam greifbar und es kommt doch noch Schwung in die Geschichte.
Regisseurin Corinne Eckenstein hat gemeinsam mit den Darstellern aus ihren Erfahrungen als Mutter von zwei Kindern und Anekdoten aus ihrer eigenen Kindheit mit "Matilda!" ein humorvolles Stück über Anarchie im Kinderzimmer entwickelt.
Ein antikapitalistisches Weihnachtsmärchen für Kinder ab 4 - das klingt nach belehrendem Tonfall inmitten romantisch verklärter Schneeflocken - aber nichts von dem ist dem schönen "Drei Taler Märchen" als Musical anzumerken. Im Gegenteil, rasantes Spiel, schmissige Lieder, und das alles in einer Atmosphäre des kindlich begeisterten Brodelns im Publikum.
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